25 FEB

Jugendlicher Motorradfahrer zu 20 Stunden Lesen verurteilt

Jugendlicher Motorradfahrer zu 20 Stunden Lesen verurteilt

Ein 19-jähriger Motorradfahrer hat sein Nummernschild falsch montiert. Für diese Ordnungswidrigkeit verurteilte ihn das Amtsgericht München zu 20 Stunden Lesen. Auf ein Bußgeld verzichtete das Gericht indessen. Auch den Führerschein darf der junge Mann behalten und mit Punkten in Flensburg muss er ebenso wenig rechnen.

Als der 19 Jahre alte Lagerist von der Polizei angehalten wurde, weil er sein hinteres Nummernschild nur lose befestigt hatte, schwante ihm wohl nichts Gutes. Denn der Motorradfahrer ist ein Wiederholungstäter. Schon einmal hatte die Staatsanwaltschaft gegen ihn ein Verfahren wegen eines falsch angebrachten Kennzeichens geführt. Es ging um dasselbe Motorrad.

Besserung durch Lesen

Diese Vorgeschichte veranlasste das Amtsgericht München, ein ungewöhnliches Urteil zu fällen: Es erteilte dem fehlbaren Biker eine Leseweisung von 20 Stunden. Damit wollte es dem Verurteilten die Gelegenheit geben, sich auf intellektueller Ebene mit seinem Verstoß auseinandersetzen. Die Leseweisung ist eine erzieherische Maßnahme im Sinne des Jugendgerichtsgesetzes und war ursprünglich als Alternative zu Arrest und Sozialdienst gedacht. Verantwortlich für die Durchführung ist die Hochschule München, wo der 19-Jährige von Studenten betreut wird. Aus einer Liste von verschiedenen Büchern muss der junge Mann zwei auswählen, die etwas mit seinem Verstoß zu tun haben. Um sicherzustellen, dass er sie tatsächlich liest, finden mehrere Gesprächstermine statt. Zum Abschluss der Maßnahme muss der Verurteilte eine Arbeit präsentieren, die seine Auseinandersetzung mit dem Gelesenen reflektiert. Dabei kann es sich beispielsweise um einen Rap, eine Kurzgeschichte oder ein Plakat handeln.

Kein Fahrverbot, keine Punkte in Flensburg

Ob die Literatur dem jungen Mann zu einer deliktfreien Zukunft im Straßenverkehr verhilft, wird sich weisen. Klar ist jedoch, dass die Sache für ihn schlimmer hätte ausgehen können. Das Gericht verzichtete nämlich auf ein Bußgeld und der Motorradfahrer darf seinen Führerschein behalten. Somit hat er auch keine Punkte in Flensburg zu befürchten. Denn Punkte gibt es bei einem Kennzeichenmissbrauch bloß, wenn ein Fahrverbot oder die Entziehung der Fahrerlaubnis ausgesprochen wurde.

AG München, Urteil vom 08.06.2017, Az. 1022 Ds 463 Js 134042/17 jug